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Müssen es immer Micro‑Services sein?

Dominik Lembke
architecture microservices modulith

Im heutigen Software-Engineering stellt sich häufig die Frage, ob moderne Architekturen immer auf Micro‑Services setzen müssen – oder ob es auch Alternativen gibt, die je nach Projektanforderungen sinnvoller sein können. In diesem Beitrag widmen wir uns daher dem Thema aus einer anderen Perspektive: Wir erklären, was ein Modulith ist, vergleichen diesen Ansatz mit der Micro‑Service-Architektur und geben abschließend einige Empfehlungen.

Was ist ein Modulith?

Ein Modulith lässt sich am besten als eine Anwendung beschreiben, die zwar als ein zusammenhängendes System ausgeliefert wird, dabei aber in klar abgegrenzte, lose gekoppelte Module unterteilt ist. Anders als bei einem klassischen Monolithen, bei dem der gesamte Code ohne klare Trennung gewachsen ist, wird beim Modulith Wert auf eine saubere interne Struktur gelegt. Diese Strukturierung bedeutet, dass einzelne Funktionalitäten oder fachliche Bereiche als Module existieren, die intern miteinander kommunizieren – und dies in einem gemeinsamen Deployment-Paket. Durch diese Trennung werden Verantwortlichkeiten klar definiert, was die Wartbarkeit und Testbarkeit des Systems deutlich verbessern kann.

Ein wesentlicher Vorteil eines Moduliths liegt in der internen Kommunikation: Anstatt auf Netzwerkprotokolle zurückzugreifen – wie es bei Micro‑Services oft der Fall ist – erfolgt die Interaktion zwischen den Modulen über direkte Funktionsaufrufe oder interne Schnittstellen. Dies bringt nicht nur Performance-Vorteile mit sich, sondern verringert auch die Komplexität des Betriebs. Gleichzeitig behält der Entwickler die Vorteile der Modularisierung, ohne sich um die zusätzlichen Herausforderungen eines verteilten Systems kümmern zu müssen.

Micro‑Services versus Modulith

Der Vergleich zwischen Micro‑Services und einem Modulith zeigt, dass beide Architekturstile ihre Vorzüge und Nachteile haben. Bei Micro‑Services liegt der Fokus auf der Unabhängigkeit einzelner Komponenten. Jeder Service wird eigenständig entwickelt, getestet und deployed, was insbesondere bei großen, komplexen Systemen mit mehreren, möglicherweise geografisch verteilten Teams von Vorteil ist. Durch diese Unabhängigkeit können einzelne Services unabhängig voneinander skaliert werden, und technologische Vielfalt – beispielsweise die Verwendung unterschiedlicher Programmiersprachen – ist möglich. Allerdings führt die verteilte Natur von Micro‑Services auch zu einem höheren operativen Aufwand: Die Verwaltung von Netzwerkkommunikation, verteilten Transaktionen und zahlreichen Deployments kann schnell komplex werden.

Im Gegensatz dazu steht der Modulith, bei dem alle Module in einem einzigen Paket zusammengeführt werden. Diese Herangehensweise reduziert den Betriebsaufwand erheblich, da keine separate Infrastruktur für das Deployment und Monitoring einzelner Services aufgebaut werden muss. Die Kommunikation erfolgt intern, was Latenzen minimiert und den Gesamtaufwand in der Fehlersuche senkt. Andererseits können Fehler in einem Modul – wenn nicht ausreichend isoliert – potenziell Auswirkungen auf andere Teile der Anwendung haben. Auch die Möglichkeit, einzelne Module unabhängig voneinander zu skalieren, ist hier eingeschränkt.

Nachfolgend sind die Unterschiede kompakt zusammengefasst:

AspektMicro‑ServicesModulith
SkalierbarkeitUnabhängige Skalierung einzelner ServicesGanzheitliche Skalierung
DeploymentSeparate, unabhängige DeploymentsGemeinsames Deployment
KommunikationNetzwerkbasierte InteraktionInterne Funktionsaufrufe
Technologischer MixVielfältige Technologien pro ServiceEinheitlicher Technologie-Stack
BetriebsaufwandHöherer administrativer AufwandGeringerer administrativer Aufwand

Empfehlungen

Welche Architektur die richtige ist, hängt maßgeblich von den konkreten Projektanforderungen ab. Bei kleineren bis mittelgroßen Anwendungen, bei denen ein einheitlicher Deployment-Prozess und geringerer Betriebsaufwand entscheidend sind, kann ein Modulith die effizientere Wahl sein. In solchen Fällen ermöglicht die zentrale Struktur des Moduliths eine schnelle Entwicklung und einfache Verwaltung, ohne dass man sich in komplexe verteilte Systeme verstrickt.

Für sehr komplexe Systeme, in denen unterschiedliche Teams autonom arbeiten und einzelne Komponenten spezifische Skalierungsanforderungen haben, bieten Micro‑Services klare Vorteile. Die Möglichkeit, Fehler zu isolieren und einzelne Services unabhängig zu betreiben, ist hier oft entscheidend – auch wenn dies mit einem höheren administrativen Aufwand einhergeht.

Auch die Teamorganisation spielt eine wichtige Rolle. Eng zusammenarbeitende, zentralisierte Teams profitieren häufig von der einheitlichen Struktur eines Moduliths, während verteilte Teams, die autonom arbeiten sollen, von der Entkopplung der Micro‑Services profitieren. Ebenso ist der vorhandene technologische Kontext zu berücksichtigen: Wer auf einen homogenen Technologie-Stack setzt und keine Notwendigkeit für verschiedene Programmiersprachen sieht, für den ist der Modulith oft die pragmatischere Lösung.

Selbstverständlich sind auch Kombinationen möglich. Gibt es im Unternehmen eng zusammenarbeitende oder nur wenige Teams, ein unabhängiges Deployment oder unabhängige Skalierung von Teilkomponenten ist jedoch notwendig, können diese Komponenten in eigene Services ausgelagert werden und der Kern der Anwendung bleibt in einem Modulithen.

Der Grundgedanke des Modulithen unterstütz genau diese Fälle. Durch eine lose Kopplung von Beginn, ohne die Komplexitäten von Micro-Services einzugehen, können einzelne Bestandteile leicht in eigene Services ausgelöst oder ausgetauscht werden.

Fazit

Es lässt sich nicht pauschal sagen, dass es immer Micro‑Services sein müssen. Beide Architekturen – der Modulith und die Micro‑Service-Architektur – bieten spezifische Vorteile, die je nach Projektkontext unterschiedlich ins Gewicht fallen. Ein Modulith eignet sich vor allem dann, wenn es darum geht, die Komplexität im Deployment zu reduzieren und eine schnelle, performante Kommunikation innerhalb eines einheitlichen Systems zu gewährleisten. Micro‑Services hingegen bieten eine höhere Flexibilität, wenn es darum geht, einzelne Komponenten unabhängig zu skalieren und technologische Vielfalt zu ermöglichen.

Letztlich sollte die Entscheidung auf einer fundierten Analyse der Projektgröße, der Teamstruktur, der Betriebsinfrastruktur und der spezifischen Skalierungsanforderungen beruhen. Eine sorgfältig geplante Modularisierung und ein durchdachtes Design sind dabei die Schlüssel zu einem langfristig wartbaren und skalierbaren System – unabhängig davon, ob man sich für einen Modulith oder Micro‑Services entscheidet.


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